Zwei Begriffe, die Sie überall hören
Wenn Sie sich mit der E-Rechnungspflicht in der EU beschäftigen, tauchen zwei Begriffe ständig auf: Factur-X (auch bekannt als ZUGFeRD) und Peppol. Beide haben mit elektronischer Rechnungsstellung zu tun, lösen aber unterschiedliche Probleme auf unterschiedliche Weise. Das falsche Format zu wählen — oder nicht zu verstehen, was jedes leistet — kann unnötigen Aufwand oder verpasste Compliance bedeuten.
Dieser Artikel erklärt die Unterschiede klar und verständlich, damit Sie entscheiden können, was Sie tatsächlich brauchen.
Was ist Factur-X / ZUGFeRD?
Factur-X und ZUGFeRD sind derselbe Standard unter zwei Namen. Factur-X ist die französische Bezeichnung, ZUGFeRD die deutsche. Seit Version 2.0 teilen sie eine identische Spezifikation.
Das Konzept ist einfach: Sie nehmen eine normale, menschenlesbare PDF-Rechnung und betten eine strukturierte XML-Datei darin ein. Die XML folgt dem Cross Industry Invoice (CII)-Format von UN/CEFACT. Das Ergebnis ist ein hybrides Dokument. Ihr Kunde sieht eine ganz normale Rechnung. Dessen Buchhaltungssystem liest die eingebettete XML und importiert die Daten automatisch.
Das PDF entspricht PDF/A-3, einem Archivierungsstandard, und die XML ist als alternative Darstellung des Rechnungsinhalts angehängt.
Wesentliche Merkmale:
- Format: PDF mit eingebetteter XML (hybrides Dokument)
- XML-Standard: UN/CEFACT CII (Cross Industry Invoice)
- Zustellung: E-Mail, Download, jede Dateiübertragungsmethode
- Anforderungen an den Empfänger: Keine — das PDF funktioniert immer
- Verwaltet von: FNFE-MPE (Frankreich) und FeRD (Deutschland)
Was ist Peppol?
Peppol (Pan-European Public Procurement OnLine) ist kein Rechnungsformat. Es ist ein Netzwerk — eine Zustellungsinfrastruktur für den Austausch elektronischer Dokumente zwischen Unternehmen und Behörden über Grenzen hinweg.
Stellen Sie sich Peppol wie E-Mail für Rechnungen vor. Statt einen PDF-Anhang zu versenden, sendet Ihr System ein strukturiertes Dokument über das Peppol-Netzwerk direkt an das System des Empfängers. Beide Parteien müssen über einen Access-Point-Anbieter im Peppol-Netzwerk registriert sein.
Das auf Peppol verwendete Rechnungsformat ist Peppol BIS Billing 3.0, basierend auf UBL (Universal Business Language) — ein anderer XML-Standard als das von Factur-X verwendete CII. Allerdings sind sowohl UBL als auch CII gültige Darstellungen des europäischen Standards EN 16931.
Wesentliche Merkmale:
- Format: Reines XML-Dokument (UBL oder CII, kein PDF)
- Zustellung: Peppol-Netzwerk über zertifizierte Access Points
- Anforderungen an den Empfänger: Muss im Peppol-Netzwerk registriert sein
- Verwaltet von: OpenPeppol (internationale gemeinnützige Organisation)
- Stark genutzt in: Öffentliches Beschaffungswesen in der EU, Skandinavien, Australien, Singapur
Der Kernunterschied
Die grundlegende Unterscheidung ist einfach:
Factur-X ist ein Dokumentformat. Es definiert, wie die Rechnung aussieht und welche Daten sie enthält. Sie können sie versenden, wie Sie möchten — E-Mail, Upload, Dateifreigabe.
Peppol ist ein Zustellungsnetzwerk. Es definiert, wie die Rechnung vom Sender zum Empfänger gelangt. Das transportierte Format ist davon getrennt (normalerweise UBL).
Sie operieren auf verschiedenen Ebenen. Factur-X beantwortet „Was enthält meine Rechnung?" Peppol beantwortet „Wie wird meine Rechnung zugestellt?"
Kann man beides nutzen?
Ja, und viele Unternehmen tun das. Die Szenarien hängen davon ab, wem Sie Rechnungen stellen:
B2B-Rechnungen an Privatunternehmen: Factur-X reicht in der Regel aus. Sie senden ein PDF mit eingebetteter XML per E-Mail, und der Empfänger kann es mit oder ohne Lesen der XML verarbeiten. Keine spezielle Infrastruktur auf beiden Seiten erforderlich.
Rechnungen an Behörden: Viele EU-Regierungen verlangen Rechnungen über Peppol oder ihre nationale E-Rechnungsplattform. Frankreich nutzt Chorus Pro, Italien SDI (Sistema di Interscambio). In diesen Fällen brauchen Sie Peppol oder das nationale Netzwerk — ein per E-Mail gesendetes Factur-X-PDF wird nicht akzeptiert.
Grenzüberschreitende B2G-Rechnungen: Peppol ist der am weitesten verbreitete Kanal. Die EU-Richtlinie 2014/55/EU verlangt von allen öffentlichen Stellen, E-Rechnungen gemäß EN 16931 zu akzeptieren — und in der Praxis ist Peppol das dominierende Übermittlungsnetzwerk dafür.
Freiberufler, die Privatkunden fakturieren: Factur-X ist die praktische Wahl. Ihre Kunden müssen in keinem Netzwerk registriert sein. Sie bekommen ein PDF, und die Compliance-Daten fahren darin mit.
Formatvergleich
| Aspekt | Factur-X / ZUGFeRD | Peppol BIS Billing 3.0 |
|---|---|---|
| Was es ist | Dokumentformat | Zustellungsnetzwerk + Format |
| XML-Standard | UN/CEFACT CII | UBL (oder CII) |
| Zustellungsmethode | Beliebig (E-Mail, Upload, etc.) | Nur Peppol-Netzwerk |
| PDF enthalten | Ja (hybrides PDF + XML) | Nein (reines XML) |
| Empfänger-Setup | Keines | Muss im Peppol-Netzwerk sein |
| Menschenlesbar | Ja (das PDF) | Nicht ohne Konvertierung |
| EN 16931 konform | Ja (EN 16931-Profil) | Ja |
| Am besten für | B2B, Freiberufler, KMU | B2G, Großunternehmen, öffentliche Beschaffung |
| Kosten für den Sender | Kostenlos (PDF erzeugen genügt) | Access-Point-Abonnement erforderlich |
Welche Länder bevorzugen was?
Deutschland hat ZUGFeRD für die B2B-Rechnungsstellung übernommen. Die E-Rechnungspflicht ab 2025 (Empfang) und 2027 (Versand) akzeptiert sowohl CII- als auch UBL-Formate. Für Behördenrechnungen (B2G) nutzt die Bundesplattform ZRE Peppol und XRechnung.
Frankreich führt sein Mandat über das PDP-Ökosystem (Plateforme de Dématérialisation Partenaire) ein. Für B2G ist Chorus Pro der offizielle Kanal und unterstützt sowohl Factur-X als auch UBL.
Italien verlangt alle Rechnungen — B2B und B2G — über die SDI-Plattform im FatturaPA-Format. Weder Factur-X noch Standard-Peppol gelten hier direkt.
Skandinavien war ein früher Peppol-Anwender. Peppol ist der De-facto-Standard.
Belgien und die Niederlande sind starke Peppol-Märkte. Belgien schreibt B2B-E-Rechnungen mit Peppol als bevorzugte Infrastruktur vor.
Was brauchen Sie als Freiberufler oder Kleinunternehmen?
Für die meisten Freiberufler und Kleinunternehmen, die Privatkunden in der EU fakturieren, ist Factur-X / ZUGFeRD die praktische Wahl:
- Keine Infrastruktur nötig. Sie erzeugen ein PDF, senden es per E-Mail. Fertig.
- Universelle Kompatibilität. Der Empfänger bekommt immer ein lesbares PDF.
- Standardmäßig konform. Im EN-16931-Profil erfüllt die eingebettete XML den europäischen Standard.
- Null Kosten für den Empfänger. Kein Access-Point-Abonnement oder Peppol-Registrierung nötig.
Sie brauchen Peppol nur, wenn:
- Sie direkt an Behörden fakturieren
- Ihr Land ausdrücklich Peppol-Zustellung vorschreibt
- Ihre Kunden explizit Rechnungen über Peppol verlangen
Wie Facturwise passt
Facturwise erzeugt automatisch Factur-X-konforme Rechnungen im EN 16931-Profil. Jede Rechnung enthält die eingebettete CII-XML, die korrekte PDF/A-3-Struktur und alle Pflichtfelder. Compliance ist von Anfang an eingebaut.
Unsicher, welches Format Sie brauchen? Facturwise erstellt Factur-X-Rechnungen automatisch auf dem EN-16931-Profil — das Format, das für die meisten Freiberufler und Kleinunternehmen in der EU passt. Keine Konfiguration, keine XML-Kenntnisse nötig. Jetzt kostenlos testen.
